Poker um TV-Rechte: RTL und Sky ringen um Konigsklasse

Die Formel 1 verliert zwar immer mehr Zuschauer, dennoch ringen RTL und
Sky aktuell um die TV-Rechte an der Konigsklasse. Der Ausgang ist
ungewiss: Während die Kolner weniger zahlen wollen, mochte der
Pay-TV-Anbieter mehr Exklusivität. Auch eine Überraschung wie bei
Olympia wäre denkbar.


Der Wettstreit um die TV-Rechte der Formel 1 geht auf die Zielgerade.
Obwohl die Quoten in Deutschland zuletzt so schlecht waren wie seit 20
Jahren nicht, gibt es mehrere Interessenten. Bernie Ecclestone darf sich
im Rennen um die Rechte auf ein gutes Geschäft freuen. Fur die
Motorsport-Fans stellt sich die Frage: Fährt die Formel 1 demnächst nur
noch im Pay-TV oder ganz allein bei RTL? Oder gibt es eine Überraschung?






"Auch wenn die Zuschauerzahlen in den letzten Jahren ruckläufig
waren, ist und bleibt die Formel 1 eines der attraktivsten Sportangebote
uberhaupt", betonte RTL-Sprecher Matthias Bolhofer: Daher habe RTL
"immer betont, dass wir grundsätzlich an einer Verlängerung unseres
TV-Vertrages interessiert sind".


Allerdings mochte der Privatsender angesichts der gesunkenen Quote und
den daher gefallenen Werbeeinnahmen weniger zahlen. 30 bis 35 Millionen
statt 50 Millionen Euro pro Jahr waren dabei im Gespräch. Bestätigt wird das von RTL nicht.






Erster RTL-Konkurrent ist Sky, da ARD und ZDF abgewunken haben. Dass
Überraschungen beim Medien-Poker durchaus moglich sind, zeigte sich
Anfang der Woche, als das IOC die Olympia-Rechte fur Europa an den amerikanischen Eurosport-Mutterkonzern Discovery
verkaufte. Sky ist auf jeden Fall im Rennen. Der Pay-TV-Sender
uberträgt bisher parallel, will das aber in dieser Form nicht mehr.
Sky-Chef Carsten Schmidt erklärte kurzlich auf einem Kongress des
Fachmagazins "Sponsors": "Fakt ist, dass unser Geschäftsmodell
Exklusivität im Content beinhaltet. Nach 20 Jahren Junior-Partnerschaft
schauen wir, was moglich ist."






Ausgeschlossen ist fur RTL das englische Modell mit einem Wechsel
von Übertragungen im Free- und im Pay-TV. Unmissverständlich erklärte
der Kolner Privatsender: "Was wir machen, das machen wir zu 100 Prozent.
Kontinuität und Verlässlichkeit sind ganze wichtige Faktoren fur eine
erfolgreiche Zuschauerbindung. An einer Splittung der TV-Rechte auf dem
deutschen Markt kann deshalb kaum jemand interessiert sein."






RTL uberträgt die Konigsklasse seit 24 Jahren ununterbrochen und
will silbernes Jubiläum feiern, obwohl das Interesse der deutschen
Fernsehzuschauer unter die Funf-Millionen-Marke gerutscht ist.
Durchschnittlich verfolgten nur noch 4,36 Millionen Motorsportfans die
Rennen der abgelaufenen Saison. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr
(5,28 Millionen) einen Ruckgang um fast eine Million Zuschauer pro
Rennen und war die schlechteste Formel-1-Bilanz seit 1994. Von Werten
wie 2001, als erstmals die Zehn-Millionen-Grenze uberschritten wurde,
ist RTL weit entfernt.






RTL-Sportchef Manfred Loppe kritisierte nach der vergangenen Saison
das "kaum nachvollziehbare Regelwerk und die mitunter ungluckliche und
kontraproduktive Außendarstellung der Konigsklasse". Dass einige Monate
später das Deutschland-Rennen gestrichen worden ist, durfte den Ärger
der heimischen Formel-1-Anhänger kaum besänftigt haben. Und der
Durchschnitts-Quote der laufenden Saison hilft es auch nicht.






Es gibt aber auch Zahlen, die fur ein weiteres RTL-Engagement in der
Formel 1 sprechen. "Marktanteile von rund 30 Prozent lassen sich in
Serie nirgendwo sonst im Fernsehen erzielen", erklärte Bolhofer. Zuletzt
gab es bei den Rennen in Österreich und Kanada sogar bessere Werte als
im Vorjahr. "Angesichts der Spannung an der Spitze und spektakulärer
Rennszenen hat die Formel 1 im Moment einen spurbaren Aufwind", sagte
der RTL-Sprecher.


Qigitalfernsehen.de